Kolumne

10.11.2017 | Berlin
Nach der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages ist es in dieser Berliner Woche vergleichsweise ruhig. In der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft wird zwar heftig gestritten und gefeilscht um Jamaika, aber auf den Gängen im Bundestag geht es ruhig zu. Immer noch sind die neu in den Bundestag eingezogenen Abgeordneten damit beschäftigt, ihre Büros zu beziehen, und der eine oder andere hat noch nicht einmal eines zugeteilt bekommen. So war es bei mir vor acht Jahren auch gewesen.
 
26.10.2017 | Berlin
„Aller Anfang ist schwer“, lauteten die ersten Worte des Neuen, nachdem er vergessen hatte, den Knopf für das Mikrofon anzuschalten. Dieses Missgeschick Wolfgang Schäubles lockerte jedoch die erste Sitzung des Deutschen Bundestages in der 19. Wahlperiode ungemein auf. Harsche Töne und eine völlig veränderte Debatten-Kultur kennzeichneten die ersten Stunden des neu gewählten, und mit 709 Abgeordneten größten Parlaments in unserer Geschichte. Mehr Abgeordnete sitzen nur im Nationalen Volkskongress der Chinesen.

 
27.09.2017 | Berlin
Wochenlang sind Sie an Wahlplakaten vorbeigefahren oder -gelaufen. Im Fernsehen, der Zeitung, in der Eckkneipe, beim Frühschwimmen und selbst im Zug morgens zur Arbeit, überall wurde über Politik gesprochen. Wer sind die Roten, was ist der Unterschied zu den Dunkelroten, wofür stehen eigentlich die Sonnenblumen, warum Schwarz-Weiß das neue Magenta ist, wieso die Blauen eigentlich Braune sind und warum Angela Merkel nicht einfach Kanzlerin bleiben kann. Nach dem 24. September und dem Ergebnis der Bundestagswahl wissen wir nun, sie wird es voraussichtlich bleiben - und doch ist alles anders.

 
05.09.2017
Das war sie nun, die letzte Sitzung des Deutschen Bundestages in der 18. Wahlperiode: Lob, Lacher und Wahlkampf, so meine Zusammenfassung des heutigen Tages im Plenum. Natürlich ist das längst nicht alles.
 
29.07.2017

Vier Jahre, die geprägt waren von großen Herausforderungen und weitreichenden politischen Weichenstellungen, die 18. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages nähert sich ihrem Ende. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Tage und Monate 2013. Ich stand oben auf der Empore des Paul-Löbe-Hauses, dem Haus, in dem sich die Ausschüsse des Bundestages  befinden, als der Koalitionsvertrag unterschrieben wurde. Beeindruckend war auch die erste Regierungserklärung der Kanzlerin im Plenum, in der sie den Weg für unsere Arbeit vorzeichnete.

 
30.06.2017

US-Präsident Barack Obama gab den Staffelstab nach seiner zweiten Amtszeit an Donald Trump ab, Kanzlerin Merkel begann ihre dritte Legislatur. Papst Benedikt XVI. trat zurück. Die NSA- und NSU-Untersuchungsausschüsse nahmen ihre Arbeit auf, wir taumelten vor Freude im WM-Jubel, Terrorakte in Europa und die Sorge um einen neuen Kalten Krieg suchten uns heim. In der Türkei gab es einen Putschversuch, die Briten stimmten für den Brexit, in Syrien herrscht weiter Krieg und nach wie vor fliehen tausende Menschen vor Krieg, Hungersnot und Krankheit. Die vergangenen vier Jahre, die 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages, war durchweg von weltweiten Krisen gekennzeichnet. Kaum einer von uns konnte an Durchatmen denken. Und immer wieder stand die Frage im Raum: Quo vadis? Wohin geht der Weg?

 
23.06.2017
Nur auf den ersten Blick war es ein gewöhnlicher Montagmorgen in der vorletzten Sitzungswoche des 18. Deutschen Bundestages. Schon beim Betreten des Reichstagsgebäudes schien es mir an diesem Tag stiller zu sein. Vielleicht war es nur eine Einbildung, aber es kam mir so vor, als würde das hektische Treiben unter der Glaskuppel heute gelähmt sein.
 
21.03.2017
Der Blick des Bundesgesundheitsministers schweifte suchend umher. Hinter sich her zog er einen kleinen schwarzen Aktentrolly, und unter dem Arm hielt er einen ganzen Packen prall gefüllter bunter Unterlagenmappen. Er hatte seine Mühe mit seinem schweren Gepäck. „Kollege Beyer, ist neben Ihnen noch frei?“. „Leider, nein“, entgegnete ich, „aber ich glaube drei Reihen weiter, können Sie es mal probieren“.
 
22.01.2017

Das "Netz" ätzt und entsetzt. Das Jahr 2017 hat nun schon ein paar Tage auf dem Buckel, und von Entspannung ist nichts zu spüren. Wie sehr haben wir uns im Dezember gewünscht, dass das neue Jahr ruhiger wird. Wer unter uns hat sich nicht gewünscht, sich wieder zurück lehnen zu dürfen und das Geschehene einzuordnen. Sie mögen mich naiv nennen, aber mein Wunsch für 2017 war tatsächlich, dass sich das politische Fahrwasser nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz und der Wahl Trumps in den USA und vor den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und im Bund zumindest etwas beruhigt. Das Gegenteil ist der Fall.

 
07.12.2016

„Singen macht glücklich und dient der Gesundheit“, so der Dirigent Gotthilf Fischer. Wo Fischer auftauchte, fingen selbst diejenigen an zu singen, die sich fest vorgenommen hatten, dies auf keinen Fall zu tun. Wahrscheinlich ist die Karriere als Popsternchen oder Opernstar deshalb so beliebt, von Kirchenchören ganz zu schweigen. Meine eigene "Gesangskarriere" liegt auch schon ein paar Jahre zurück, nichts desto trotz erwische ich mich selbst oft dabei, dass eine oder andere Ständchen in der Weihnachtszeit mitzuschmettern. Überall schaffen sie jetzt in der Weihnachtszeit pünktlich Besinnlichkeit herbei – meist in Form von festlich dekorierten Bäumen.