Kolumne

18.04.2016, 16:01 Uhr
 
Oh, wie schön ist Panama...?
Wer Panama hört, denkt zuerst an den Kanal oder an „Janoschs Traumstunde“. Seit Veröffentlichung der „Panama Papers“ hat sich das geändert: Alle Welt schaut seitdem auf den Finanzsektor des Niedrigsteuerlandes, in dem 214.000 Briefkastenfirmen ihren Sitz haben. Dies war neben der Abstimmung der Koalition über ein Integrationspflichtgesetz eines der zentralen politischen Themen der vergangenen Berliner Sitzungswoche.
Ich selbst kränkelte zu Beginn der Woche zunächst etwas – die Damen mögen nun schmunzeln und mir eine „Männergrippe“ unterstellen, die Herren kennen dieses Gefühl von Unwohlsein wahrscheinlich nur zu gut. Aber Spaß beiseite: Mein Weg führte mich am Montagmorgen direkt zur Parlamentsärztin, Frau Dr. Vonneguth-Günther, um mir etwas verschreiben zu lassen. Denn ich musste ja dem bevorstehenden Sitzungsmarathon der Woche standhalten und freitags fit für meine Rede im Plenum über die „Transatlantischen Beziehungen“ sein. Ihre Praxis liegt direkt im Reichstagsgebäude. Sie übernimmt die medizinische Betreuung der Parlamentarier sowie die notfallmäßige Versorgung der Mitarbeiter und der Besucher des Parlaments.

Hier war ich an diesem Vormittag in bester Gesellschaft, wie ich feststellte. Denn während meiner Konsultation unterbrach Frau Dr. Günther meine Behandlung und bat um einen Moment Geduld. Sie ging zum Fenster, riss dieses auf und rief: „Ich habe gesagt, tragen Sie einen Schal!“ Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wie die Kanzlerin mit ihrem Mitarbeiter-Tross am Fenster vorbei ging und winkender Weise ins Auto stieg.

Mich den scharfen Worten der Ärztin an die Regierungschefin erinnernd trug auch ich die gesamte Woche einen Schal und schonte meine Stimme. Die nächste Begegnung außerhalb des Sitzungsbetriebes mit der Kanzlerin in dieser Woche war „stunt-reif“. Am Donnerstag verließ ich das Plenum und dachte mir, ich gehe ausnahmsweise oberirdisch, sprich an der frischen Luft, zu meinem nächsten Termin. Es warteten die Business-Frauen Ratingen, die auf meine Einladung hin einen Blick hinter die Kulissen meiner parlamentarischen Arbeit nahmen. Gesagt getan, raus aus dem Reichstagsgebäude und… Lautes Reifenquietschen einer schwarzen Limousine! Nur wenige Zentimeter vor meinen Füßen kam sie zum Stoppen. Es handelte sich um den Wagen der Personenschützer der Kanzlerin, die deren vorausfahrendem PKW eilig folgten. Gott sei Dank erwachte der Fahrer rechtzeitig aus seiner ganz persönlichen „Traumstunde“, bevor er mich auf dem Gehweg erfasste.