Kolumne

15.12.2017, 09:59 Uhr | Berlin
 
Das Jahr der kleinen Momente (Ausgabe 19/5)
Donald Trump wurde Präsident der Vereinigten Staaten, G20-Gipfel in Hamburg, Ehe für alle, Brexit, Putin umarmt Assad, Deutschland hat gewählt, #Metoo-Debatte, ein unberechenbarer Autokrat in der Türkei, Krise in der Nato, die gescheiterten Jamaika-Sondierungen, europaweite antisemitische Übergriffe – war 2017 ein gutes Jahr? Dass es in 2017 nicht leicht werden würde, hatte man vermutet, doch dass es politisch ein Jahr des Verlierens, der vergebenen Chancen und Fragezeichen werden würde, hatte wohl niemand so recht auf dem Schirm. 

Berlin - Während wir uns noch über Trumps Twitter-Nachrichten aufregten, besetzte dieser Richterposten neu und setzt außenpolitische Entscheidungen um, die Auswirkungen für die gesamte Staatengemeinschaft haben. Währenddessen spielt in Nordkorea ein Despot mit Atombomben. Der türkische Präsident wirft deutsche Staatsbürger ins Gefängnis. Air Berlin ist pleite. AfD und Linke bilden seit diesem Herbst gemeinsam im Deutschen Bundestag die extremen Ränder. Die Stimmen der „Merkel-Dämmerung“ werden lauter und der „Schulzzug“ steht auf dem Abstellgleis.

Es war das Jahr der kleinen und persönlichen Momente. Ich selbst habe mich sehr gefreut, die Arbeit im Deutschen Bundestag wieder aufnehmen zu dürfen. Mein Wahlergebnis war im Vergleich zum Bundestrend überdurchschnittlich gut und auch im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren, mit der Ausnahme des historischen Ergebnisses 2013, handelt es sich um ein Signal der Wertschätzung und der Zufriedenheit mit meinem politischen Wirken. Für das erneut ausgesprochene Vertrauen bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich mir insgesamt für meine Partei ein besseres Ergebnis gewünscht hätte.


Es war und ist aber auch eine Chance. Mit der Aufnahme der Jamaika-Gespräche begann man den festgefahrenen politischen Kurs neu zu denken. Im Plenum gibt es bislang ungekannte Muskelspiele mit selbstbewussten und streitlustigen Abgeordneten. Teilweise sind die Grenzen in den lebhaft geführten Debatten fließend. Sich immer wieder neu findende Mehrheiten argumentieren gegen extreme Minderheiten. In dieser Sitzungswoche ging es um Abstimmungen über fünf Bundeswehreinsätze. Darüber hinaus war eine Aktuelle Stunde zu Europa angesetzt. Ja, wenn man das Treiben im Saal so beobachtete bekam man den Eindruck, als habe der Bundestag in dieser Woche Normalität im Ausnahmezustand geprobt. Der Debattenton war dabei rau, jedoch immer wieder geprägt von kleinen Sternstunden.


Besinnliche Weihnachtsstimmung kam nirgends auf. Ich selbst arbeitete an meiner Rede für eine Mandatsverlängerung am Mittwoch, und in meinem Büro wartete die noch zu unterschreibende Weihnachtspost auf mich. Selbst beim alljährlichen Adventssingen der Chorgemeinschaft des Bundestages fiel es den Beteiligten trotz geschmücktem Tannenbaum mit Kerzenschein schwer, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Erst mein sächsischer Kollege brachte mir einen Moment der vorweihnachtlichen Ruhe. Er überraschte mich mit einem kurzen Besuch in meinem Büro. Im Gepäck ein großes Stück Dresdner Stollen. Darüber hinaus trug er mit einer entbrannten Weihrauch-Räucherkerze den Duft von Weihnachten ins Büro.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viele Momente der Freude für 2018 und ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise der Menschen, die Ihnen wichtig sind.