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30.05.2018, 11:39 Uhr

Fair Trade: Einkaufen mit gutem Gewissen

Dass fair gehandelter Kaffee nicht nur für ein besseres Gewissen sorgt, sondern ein richtiger Genuss sein kann, davon brauchte Lena Steinhäuser den Bundestagsabgeordneten Peter Beyer (CDU) nicht mehr zu überzeugen. Seit einem Jahr arbeitet sie an der Zertifizierung Ratingens zur Fairtrade-Stadt. Vom Weg dorthin machte sich Beyer kürzlich ein Bild. 

Lena Steinhäuser und Peter Beyer MdB im Gespräch über Chancen und Herausforderung der Zertifizierung Ratingens zur Faitrade-Stadt. | © Peter Beyer MdB.
Mit dem Konsum von fair gehandelten Produkten vor Ort könne jede Kommune eigenverantwortlich einen Beitrag leisten, die Produktionsbedingungen in den Erzeugerländern zu verbessern und den globalen Handel gerechter zu gestalten, erläuterte die 35-Jährige städtische Mitarbeiterin Beyer im Gespräch. Der Gedanke sei grundsätzlich nicht neu, denn in vielen Kirchengemeinden, aber auch in der Agenda-21 Initiative und bei einigen Einzelhändlern und Gastronomen sei er bereits seit vielen Jahren fest verankert. Neu an der Kampagne ist, dass die Idee nun in das kommunale Gemeinwesen Einzug halte und die Verwaltung die Vernetzung von Schulen, Einzelhändlern und lokalen Akteuren vorantreibt. Aber auch die Verwaltung selbst soll nachhaltig beschaffen.

Die öffentliche Hand vergibt jedes Jahr Bau-, Liefer- und Dienstaufträge. „Hier gilt es, Vorbild zu sein und beispielsweise genau hinzusehen, woher die Produkte kommen und unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden“, so Steinhäuser. Wichtig sei dabei festzuhalten so die Mitarbeiterin der Stadt: „Produkte und Dienstleistungen aus der Region stehen nicht in Konkurrenz zu den fair gehandelten.“

Steinhäuser erläuterte Beyer den Weg Ratingens zur Zertifizierung: Bereits 2014 wurde im Stadtrat beantragt, Ratingen möge sich für die Auszeichnung als Fairtrade-Town einsetzen. 2016 gab es den Ratsbeschluss zur Finanzierung einer Halbtagsstelle zur Umsetzung der Zertifizierung. Der Startschuss sei im vergangenen Sommer gefallen und Steinhäuser hat ihre Arbeit begonnen. Die Projektstelle wurde mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen und gefördert durch Engagement Global gGmbH im Rahmen des Programms „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“. Nachdem der Rat 2017 für eine Bewerbung stimmte, gründete sich Anfang dieses Jahres eine Steuerungsgruppe, die die Ziele für die Stadt definiert und Kirchen, Schulen, Einzelhändler und die Verwaltung an einen Tisch holt. Insgesamt habe Ratingen bereits vier der fünf notwendigen Kriterien erfüllt, so die Bilanz. Noch in diesem Jahr hofft die engagierte junge Frau, dass die Stadt zur Auszeichnungsfeier einladen könne.

Beyer sieht in der Kampagne eine gute Möglichkeit, die Arbeit der Ende der 1990er Jahre geründeten Agenda21 wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen, und darüber hinaus junge Menschen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Für den lokalen Einzelhandel sieht er ebenfalls einen Mehrwert, denn das Werben mit dem Fair-Trade-Siegel an der Tür sei sicherlich ein positives Kaufargument. Steinhäuser resümierte abschließend, dass sie sich durchaus bewusst sei, dass es ein Veränderungsprozess mit kleinen Schritten sei, der sicherlich noch Jahre dauere.