Kolumne

01.02.2019, 13:03 Uhr
 
Noch ganz bei Toast? (Ausgabe 19/21)
Die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages gehört zu den spannendsten seit der Gründung der Republik. Mit meiner Kolumne „Ein Beyer in Berlin“ möchte ich Ihnen immer am Ende einer Sitzungswoche regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen des „Hohen Hauses“ geben.

Sind die noch ganz bei Toast? Diese Frage habe ich mir in der vergangenen Sitzungswoche des Deutschen Bundestages tatsächlich gestellt. Ich saß an meinem Schreibtisch meines Berliner Abgeordnetenbüros und arbeitete Unterschriften- und Terminmappen durch, als es an der Tür klopfte. „Guten Morgen. Brandschutz“, tönte es freundlich aber bestimmt durch das Vorzimmer, und ein junger Mann mit einem Klemmbrett trat ein.

Ob im Büro ein Toaster oder Sandwich-Maker betrieben würde? – So seine erste Frage. Er muss mir meine Verwunderung über diese Frage angesehen haben, denn sodann begann er zu erklären: Er sei vom Brandschutz und würde alle „ortsveränderlichen elektrischen Geräte, welche über einen Stecker mit der elektrischen Anlage verbunden werden, wie zum Beispiel Computer, Monitore, Drucker, Arbeitsplatzleuchten, Kühlschränke, Geschirrspüler, Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Verlängerungsleitungen und Steckdosenleisten“ überprüfen. Nach der Prüfung gebe es für jedes Gerät eine Plakette. Toaster oder Sandwich-Maker seien grundsätzlich nicht zulässig. Der Grund: In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Fällen von Überhitzung gekommen, und der interne Brandschutz habe löschen müssen. „Wer betreibt denn einen Toaster im Büro?“, war meine spontane Reaktion auf seine Ausführungen. Erfahrungsgemäß brächten Mitarbeiter diese mit, referierte er und fügte an, meist handle es sich um zu Hause ausrangierte und somit nicht ganz taufrische Geräte. Ich frotzelte: „Ich habe noch ein altes Waffeleisen“. Seine Antwort: „Die werden hier auch illegal betrieben.“ Ich stutzte erneut und konnte mir das Lachen nicht verkneifen.

Obwohl, über den Brandfall ist nicht zu scherzen, warf ich ein. Kopfnicken kam als Erwiderung. Wenn der Schaumstoff von nur einem Sofa brennt, reiche das aus, um die ganze Halle des Paul-Löbe-Hauses zu verqualmen, nennt der junge Mann mit seinem Klemmbrett als Beispiel. „Das Haus mit seinen rund 1.000 Büros und den 19 Sitzungssälen für Ausschüsse und Tagungen ist 155 Meter lang, die Halle 23 Meter hoch – stellen Sie sich den Qualm vor. Der ist das Gefährlichste. Einige Atemzüge können bereits tödlich sein.“ Insgesamt 3.000 Verwaltungsangestellte und 4.500 Mitarbeiter von Abgeordneten arbeiten im Bundestag. Hinzu kommen Haustechnicker, Sicherheitspersonal, Reinigungs- und Küchenkräfte und, und, und. Müsste man den Bundestag tatsächlich evakuieren – und ein Brand ist nur ein vorstellbares Szenario – müsste quasi eine ganze Kleinstadt in Sicherheit gebracht werden.

Zuständig für die Sicherheit ist der Brandschutzbeauftragte des Bundestages. Er hat alle 25 Gebäude und 33.000 Brandmelder im Blick. Als Brandschutzexperte wird dieser unter anderem auch bei den Planungen großer Veranstaltungen wie der Bundestagswahl, der Wahl des Bundespräsidenten, oder bei Gedenkfeiern, wie am vergangenen Donnerstag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, eingebunden.

Im Übrigen ist auch der Brandschutz der Grund, warum in dieser Wahlperiode Dienstag ab 15 Uhr – mit Beginn der Fraktionssitzungen – im Reichstagsgebäude keine Besucher mehr zugelassen sind. Was bedeutet, auch der Besuch der Kuppel ist nicht möglich. Die Evakuierung im Notfall von 709 Parlamentariern durch die Treppenhäuser des Gebäudes braucht seine Zeit. Dazu kommen auch noch all die Mitarbeiter, Journalisten und Saaldiener, die alle auf einmal aus dem Reichstag drängten.

Man lernt ja nie aus. Sicherlich, man muss nicht päpstlicher als der Papst sein, aber ich verstehe: Sicherheit hat höchste Priorität.