Kolumne

13.12.2019, 10:23 Uhr
 
Weihnachtszauber (Ausgabe 19/34)
Die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages gehört zu den spannendsten seit der Gründung der Republik. Mit meiner Kolumne „Ein Beyer in Berlin“ möchte ich Ihnen immer am Ende einer Sitzungswoche regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen des „Hohen Hauses“ geben.

Von drauß vom Walde kommen sie her, denn all die Jahre weihnachtet es auch im Parlamentsviertel sehr. Alle Jahre wieder wird die Aufstellung der Weihnachtsbäume im und um den Deutschen Bundestag und die umliegenden Bundesministerien zelebriert. Jeder aufgestellte Baum hat eine Botschaft und einen namhaften Paten. Ähnlich verhält es sich mit Weihnachtsbaumschmuck und Adventskränzen.

Wenige Tage vor dem ersten Advent begann das weihnachtliche Treiben. Das Technische Hilfswerk rückte mit großem Gerät an und stellte die übergroßen Tannen vor dem Bundeskanzleramt und auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude auf. Der Weihnachtsbaum der Kanzlerin wurde in diesem Jahr in Oberammergau geschlagen. Der etwas höhere Baum vor dem Parlament kommt aus den Wäldern Schleswig-Holsteins. Auch in den Gebäuden des Bundestages grünen und glitzern insgesamt 15 Christbäume.

So kann man beispielsweise eine schwer behangene Weihnachtstanne auf der Galerie über dem Haupteingang des Paul-Löbe-Hauses bestaunen. Eine zweite steht spreeseitig. Diese beiden funkeln nicht nur Mitarbeiter, Besucher und Bundestagsabgeordnete im Haus an, sondern auch Spaziergänger. Feierlich übergab der Verband „Deutscher Naturparke“ die Nordmanntanne auf der Galerie an Bundestagsvizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich. Der Gesang von 15 Viertklässlern schuf den festlichen Rahmen. Die Baumspende hat bereits seit 2002 Tradition. Der Verband möchte damit auf seine Arbeit aufmerksam machen. Aktuell gibt es 105 ausgewiesene Naturparke, die zusammen 28 Prozent der Fläche Deutschlands ausmachen. Die Ziele sind neben dem Erhalt von Natur und Landschaft auch Bildung.

Eine ganz ähnliche Adventsstimmung konnte man am Baum auf der anderen Seite wenige Tage später erleben. „Oh du fröhliche“ hallte durch das Gebäude, als die Bundesvereinigung der Lebenshilfe den Weihnachtsschmuck dieses Baumes an Bundestagsvizepräsidenten Claudia Roth übergab. Die Botschaft: Teilhabe statt Ausgrenzung.

„Am Weihnachtsbaume, die Lichter brennen“, diese Liedzeile gilt nicht im Bundestag. Wachskerzen tragen diese Bäume nicht, denn in der neusten Hausmitteilung der Verwaltung heißt es: Zum eigenen Schutz ist das Anzünden von Kerzen sowie jegliches offenes Feuer aus Brandschutzgründen verboten. Also wird mit LED-Lichtlein gearbeitet. Die Rotfichte auf dem Platz der Republik zählt derer 1700.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann nahm Anfang des Monats den sogenannten Wichern-Kranz entgegen, der unmittelbar vor dem Plenarsaal für festliche Stimmung sorgen soll. Er wurde von kirchlichen Organisationen gestiftet und erinnert an das Engagement des evangelischen Theologen und Sozialreformers Johann Heinrich Wichern. Dieser hatte im Jahr 1833 ein Heim für „verwahrloste Jugendliche“ gegründet. Um den betreuten Kindern die Wartezeit auf Heiligabend zu verkürzen, stellte er ein hölzernes Wagenrad mit vier großen und 20 kleinen Kerzen auf. Damit war der Adventkranz erfunden. Begleitet wurde auch diese Feierstunde von Kindergesängen, die man bis in den Plenarsaal hören konnte.

„Stille Nacht, heilige Nacht“ tönte es auch in der letzten Sitzungswoche vor Weihnachten durch das Paul-Löbe-Haus. Mehr als 500 Mitarbeiter vieler Abgeordneter und aller Fraktionen, Parlamentarier sowie die Bundestagsverwaltung intonierten beim traditionellen Weihnachtssingen gemeinsam mit einem Bläserchor klassische Weihnachtslieder. Das Besondere an dieser feierlichen Stunde war nicht die Stimmung, die das gemeinschaftliche Singen und Musizieren verbreitete, sondern das friedvolle und besinnliche Miteinander. Für einen kurzen Moment herrschte Harmonie, und die politische Gesinnung war ausgeblendet – man spürte den Zauber der Weihnacht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche, friedliche und fröhliche Weihnachtszeit. Kommen Sie gut ins neue Jahr.