Kolumne

06.03.2020, 11:37 Uhr
 
Hunde im Parlament (Ausgabe 19/38)

Die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages gehört zu den spannendsten seit der Gründung der Republik. Mit meiner Kolumne „Ein Beyer in Berlin“ möchte ich Ihnen immer am Ende einer Sitzungswoche regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen des „Hohen Hauses“ geben.

Schwanzwedelnd stand Finch neben mir an der Pforte am Eingang des Auswärtigen Amtes. Sein Blick war aufmerksam auf sein Herrchen gerichtet. Der sechs Jahre alte, ausgeglichene schwarze Labrador begleitet jeden Morgen einen Mitarbeiter des Ministeriums an seinen Arbeitsplatz. Da ich das Gespann nicht ansprechen wollte – Finch arbeitete ersichtlich – bat ich meine Mitarbeiterin im Amt, ein wenig mehr über den tierischen Begleiter herauszufinden. Finch ist nicht allein im Amt. Zwei sogenannte Assistenzhunde gehen in der Bundesbehörde ein und aus und bringen ihre Menschen ins Büro. In Berlin ist das bestimmt kein leichter Job.

Neben Begleit- und Blindenhunden gibt es eine ganze Menge Diensthunde, die rund um den Deutschen Bundestag und die Bundesministerien arbeiten. Das Thema „tierische Begleiter“ im Bundestag flammt immer mal wieder auf, denn erwiesenermaßen verbessern Haustiere am Arbeitsplatz das Arbeitsklima. Dass dies dem Bundestag vielleicht gut tun würde – hier wird ja bekanntlich viel geknurrt und gekläfft – steht auf einem anderen Blatt Papier, denn nach Paragraph 4 der Hausordnung heißt es für Vierbeiner: „Wir müssen draußen bleiben.“

Inoffiziell scheint sich jedoch, wenn man dem Flurfunk Glauben schenken mag, nicht jeder daran zu halten. Ribby, der Hund einer ehemaligen Kollegin, schaffte es sogar in mindestens zwei große Tageszeitungen, weil er angeblich regelmäßig ins Büro in einer Handtasche geschmuggelt wurde. Ob das der Wahrheit entspricht, wage ich zu bezweifeln. Wer schon einmal den Bundestag und die anliegenden Gebäude besucht hat, weiß, dass dies nicht so leicht ist. Zumal der Nase eines Diensthundes der Polizei, die an den Pforten stichprobenweise Dienst tun, sicherlich wenig entgeht – vor allem keine Artgenossen. In keinem Hohen Haus der Welt sind meines Wissens nach Haustiere erlaubt – Assistenz- und Diensthunde sehr wohl.

In einem kürzlich zufällig geführten Gespräch mit einem Polizisten erfuhr ich, dass rund 1000 Hunde aktuell den Dienst bei der Bundespolizei, dem Zoll und der Bundeswehr absolvieren. Sieben Tiere befinden sich im Auslandseinsatz. Mit ihrer Betreuung, Training und Einsatz sind 1279 Menschen beschäftigt. Für Diensthunde gilt die Amtssprache, aus diesem Grund werden sie auf Deutsch ausgebildet. Ein festes Rentenalter für sie gibt es nicht, denn jedes Tier werde individuell betrachtet. In der Regel sind die vierbeinigen Kollegen bis zu zehn Jahren im Einsatz.

„Hunde, die bellen, beißen nicht“, das ist die sprichwörtliche Beschreibung der Situation in dieser Woche im Parlament. Besonders lautstark war die Debatte am Donnerstagvormittag mit dem Titel „Rechtsextremismus und Hass entschieden bekämpfen – Konsequenzen aus den rechtsterroristischen Morden von Hanau“. Intensiv und sachlich waren hingegen die Gespräche über die Situation an der türkisch-griechischen Grenze. Damit es zu keiner unkontrollierten Einreise nach Europa kommt, haben wir gemeinsam überlegt, wie man die griechische Regierung unterstützen kann. Ein erster richtiger Schritt ist, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Griechenland finanzielle Hilfe in Höhe von 700 Millionen Euro und schnelle personelle Unterstützung durch die Grenzschutzagentur Frontex zugesagt hat. Dass die Türkei Flüchtlinge an die griechische Grenze fährt, um mit den Bildern Druck auszuüben, ist völlig inakzeptabel. Flüchtlinge und Migranten rücksichtslos als politische Waffe einzusetzen, geht gar nicht. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir, Europa, der Türkei bei der Bewältigung der Krise umgehend helfen müssen. Geld allein hilft nicht mehr. Die Türkei muss derzeit mit 3,5 Millionen Flüchtlingen fertigwerden.

Die Zahl der Woche lautet 33.000. So viele PCs im Besitz der Bundesregierung und ihrer Behörden arbeiten nach dem Stichtag des Support-Endes von Windows 7 noch mit ausrangierter Software. Dies war eine Randnotiz, die mich den Kopf schütteln ließ. Ohne den Support gibt es künftig keine Sicherheits-Updates mehr für die Software – ein echtes Problem. Den Letzten beißen die Hunde, in diesem Fall den Bund.