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Kolumne
17.01.2019, 19:26 Uhr
 
Sportliche Vorsätze (AUSGABE 19/20)
Die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages gehört zu den spannendsten seit der Gründung der Republik. Mit meiner Kolumne „Ein Beyer in Berlin“ möchte ich Ihnen immer am Ende einer Sitzungswoche regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen des „Hohen Hauses“ geben.

Haben Sie gute Vorsätze für 2019? Das Spiel mit den guten Vorsätzen, die am Silvesterabend gefasst und spätestens Ende Januar vergessen werden, ist vermutlich so alt wie der Jahreswechsel selbst. Und doch setzt man sie sich jedes Jahr aufs Neue – auch ich. In diesem Jahr waren es gleich drei. Erstens: Alte Freunde in schwierigen Zeiten unterstützen. Zweitens: Weiterhin offen für Neues sein. Ach ja, und dann wäre da noch Drittens: Mehr Sport.

Wie kam es zu meinen Vorsätzen? Erstens: Kaum hatte das Jahr in Berlin begonnen, machte der US-Präsident mal wieder Schlagzeilen. Und auch unser Partner Großbritannien macht es uns derzeit nicht leicht. Im Jahr 2019 sollten wir diesen beiden Freunden viel Verständnis und Ehrlichkeit entgegenbringen und uns trotz Irritationen zu den Werten bekennen, für die diese beiden befreundeten Nationen lange selbst eintraten: Multilateralismus, Freihandel und Kooperation.

Weiterhin offen sein für Neues lautet mein zweiter Vorsatz. Man kann nicht alles im Leben planen. Es ist der Kerngedanke der offenen Gesellschaft, einander zu respektieren und voneinander zu lernen. Der Wettbewerb der Ideen hat unser Land in der Vergangenheit nach vorne gebracht. Dies ist für mich einer der Schlüssel für die Themen Migration, Digitalisierung oder Mobilität, die uns in 2019 sicherlich weiterhin stark bewegen werden.

Die Tagesordnung in der ersten Sitzungswoche des Bundestages umfasste unter anderem Verbesserungen bei der Organspende. Wir stimmten über die Einstufung Georgiens, Marokkos, Tunesiens und Algeriens als Sichere Herkunftsländer ab. Außerdem erinnerte der Bundestag am Donnerstag mit einer Feierstunde an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Wie gesagt, ein volles Programm, so dass ich meinen Vorsatz, mehr Sport zu treiben, um genau zu sein, regelmäßig zu joggen, beinahe über Bord geworfen hätte. Ausreden fand ich viele.

Sport ist im Bundestag ein großes Thema und zwar nicht nur, wenn unsere Fußball- oder Handballnationalmannschaften spielen. Von Cem Özdemir wird berichtet, dass er regelmäßig mit seinen Mitarbeitern die Spree entlangläuft. Außenminister Heiko Maas trägt bei seiner Runde durch den Tiergarten neonfarbene Laufschuhe. Vor einer Weile sah ich ihn darüber hinaus mit einer roten Wollmütze, die den Schriftzug „New York City“ trug. Was ich persönlich sympathisch finde. An der Farbe könnte man noch arbeiten, natürlich nur aus modischen Aspekten. Thomas de Maizières Strecke liegt auch im Tiergarten, als er Bundesinnenminister war, mussten auch seine Bodyguards am Sportprogramm teilnehmen. Kollege Peter Tauber bekennt sich beim täglichen Sport zum christlichen Glauben. Im sozialen Netzwerk Instagram dokumentiert er, dass seine Laufschuhe auf den Laschen den Aufdruck „Jes“ und „40,31“ tragen. Es handelt sich um die Kurzangabe einer Bibelstelle. Er ist eine echte Sportskanone und läuft regelmäßig Marathon.

Über 20 verschiedene Sportarten bietet die gemeinnützige Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages an. Für einen kleinen Jahresbeitrag kann hier jeder Mitglied werden, auch wenn er nicht im Bundestag arbeitet. Darunter gibt es beispielsweise Yoga, Linedance oder Boxen. Letzteres gibt es bereits seit 1951, einer Zeit, in der man Politik eher mit dickbäuchigen, Zigarre rauchenden, älteren Herren verband. Ich habe mir sagen lassen, dass sich hierfür gerade in den vergangen Jahren vor allem weibliche Abgeordnete interessierten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber woher kommt eigentlich der Fitnesswahn bei Politikern? Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer seine Linie im Griff hat, hat auch sein Amt im Griff.

Die bekannteste Politiker-Sportgruppe ist der FC Bundestag. Der ehemalige Bundesminister Christian Schmidt und Thomas Oppermann sind heute die Prominentesten Mitglieder. Früher liefen Franz Josef Strauß, Helmut Kohl oder Joschka Fischer für die Parlamentarier auf. Unvergessen das Benefizspiel 1961 vor mehreren Tausend Zuschauern, als Bundestagsabgeordnete gegen Prominente aus Presse und Fernsehen antraten. Während Willy Millowitsch und der ehemalige Fußballnationaltrainer Sepp Herberger die Promimannschaft unterstützten, stürmten der Ehrenspielführer der Fußballnationalmannschaft Fritz Walter und der frühere Nationalspieler Franz Elbern in der Abgeordneten-Mannschaft mit. Das Ergebnis lautete nach hartem Kampf 5:3 für die Abgeordneten. Darüber hinaus gab es zehntausend Mark für soziale Zwecke. An dieser Tradition wird bis heute festgehalten.

Heute trainiert die Mannschaft in der Sporthalle im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, einem Gebäude des Bundestages in der Nähe des Schiffbauerdamms. Die Räume sind funktional, mehr nicht. Die meisten Angebote finden jedoch außerhalb statt. So treffen sich beispielsweise die Schwimmer – angeleitet von Medaillengewinner Steffen Zesner – in der Schwimm- und Sprunghalle in Prenzlauer Berg.

Gegen Ende der Sitzungswoche habe ich im Übrigen doch noch meinen „inneren Schweinehund“ überwunden und meine Laufschuhe geschnürt und bis jetzt mit keinem meiner Vorsätze für 2019 gebrochen.