Donnerstag der Demokratie

12.09.2019, 16:24 Uhr
 
Hilde - Lebenshilfe
#donnerstagderdemokratie

Unser vierter Sohn kam 1978 schwerst mehrfach behindert auf die Welt. Durch sein „So-Sein“ habe ich mich schon sehr früh in der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Kreisvereinigung Mettmann engagiert. Damals gab es noch keine Wohnplätze für schwerst mehrfach behinderte Menschen, so dass ich mit diesem kompetenten Verein alle Schritte gegangen bin, um ein wunderschönes Haus für Menschen mit schwersten Behinderungen zu erstellen. 1999 starb unser Sohn mit 21 Jahren und das Haus, das auch für ihn hätte ein „Nest“ werden sollen, wenn unsere Kräfte nicht mehr ausreichten, war immer noch nicht gebaut. Die Hürden waren hoch, aber wir haben nicht locker gelassen, und 2002 konnten endlich 14 junge Menschen mit schweren Behinderungen in das Haus in Ratingen, Werdender Str. einziehen. Es lohnt sich für unsere behinderten Menschen jeder Anstrengung. Es sind in der Regel wunderbare Menschen mit großer Empathie, freundlich und liebenswert. Für mich sind sie „das Salz der Erde“. Sie fordern alle unsere guten Eigenschaften ein, wie Geduld, Verständnis und Verantwortung. Mein Sohn und diese besonderen Menschen und viele Mitstreiter haben mein Leben bereichert. Mittlerweile hat eine junge engagierte Mitstreiterin meinen geschäftsführenden ehrenamtlichen Vorsitz übernommen. Sie sieht ihre Aufgabe auch als Wächteramt, und mir ist um die Zukunft unserer tollen Kreisvereinigung nicht bange. Unsere behinderten Menschen, die genau wie ich traurig waren, dass ich aus Altersgründen meine Aufgabe abgegeben habe, haben mich nun zur Oma der Lebenshilfe erkoren. Das ist wunderbar. Unsere Demokratie lebt von Respekt, Toleranz und Meinungsfreiheit. Unsere behinderten Menschen leben es uns in großen Teilen vor.