Kolumne

07.12.2016, 21:27 Uhr
 
Hoch auf dem gelben Wagen

„Singen macht glücklich und dient der Gesundheit“, so der Dirigent Gotthilf Fischer. Wo Fischer auftauchte, fingen selbst diejenigen an zu singen, die sich fest vorgenommen hatten, dies auf keinen Fall zu tun. Wahrscheinlich ist die Karriere als Popsternchen oder Opernstar deshalb so beliebt, von Kirchenchören ganz zu schweigen. Meine eigene "Gesangskarriere" liegt auch schon ein paar Jahre zurück, nichts desto trotz erwische ich mich selbst oft dabei, dass eine oder andere Ständchen in der Weihnachtszeit mitzuschmettern. Überall schaffen sie jetzt in der Weihnachtszeit pünktlich Besinnlichkeit herbei – meist in Form von festlich dekorierten Bäumen.

Nein, es gibt keinen Floristen, der sich hier die Taschen vollmacht, sondern all diese Bäume stehen in der Tradition von Hilfsorganisationen, Institutionen, oder sogar Kindergärten geschmückt zu werden. Und natürlich wird jeder Baum feierlich eingeweiht, und es wird gesungen.

So auch bei der Einweihung des Baums der Lebenshilfe in der vergangenen Sitzungswoche, die stellvertretend an Bundestagspräsidenten Norbert Lammert den liebevoll geschmückten Baum im Ostfoyer des Paul-Löbe-Haus (dem Haus der Ausschüsse) übergab. Sie fragen sich, was das mit Politik zu tun hat? Auch soziale Institutionen und Vereine haben Anliegen an die Politik und machen mit solchen Aktionen auf Ungleichheiten in unserer Gesellschaft aufmerksam. In der vergangenen Woche hatten sie ein besonderes Anliegen, denn das Parlament verabschiedete das Bundesteilhabegesetz. Das Gesetzespaket ist zwar für die Steuerzahler teurer geworden als geplant, aber für die Menschen mit Behinderung wird vieles deutlich besser werden – auch wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen sind, ist es doch ein großer Erfolg, denn es verbessert die Rahmenbedingungen auch in den kommenden Jahren.

Aber nicht nur in der Weihnachtszeit bietet sich die Möglichkeit des Singens, auch im restlichen Jahr gibt es in Berlin viele Anlässe des Mitsingens, beispielsweise unsere Nationalhymne. "Ich freue mich immer so auf unsere Hymne, da singe ich inbrünstig und aus vollem Herzen mit", gestand mir vor kurzem Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, als wir zusammen im Plenum standen. Damit ist sie im Übrigen nicht allein. Alt-Bundespräsident Walter Scheel (FDP) hatte auch gerne gesungen - und oft. Mit "Hoch auf dem gelben Wagen" hat er eine ganze Präsidentschaft geprägt. Mit dem populären Scheel als Frontmann und Unterstützung des Düsseldorfer Männergesangvereins erreichte das Volkslied 1974 den fünften Platz in den deutschen Musikcharts. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit.