Kolumne

10.03.2021, 11:50 Uhr
 
Die guten Zeiten (Ausgabe 19/51)
Die 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages gehört zu den spannendsten seit der Gründung der Republik. Mit meiner Kolumne „Ein Beyer in Berlin“ möchte ich Ihnen auch diesmal wieder einen Blick in meine Arbeit geben. 

Er klopfte mir auf die Schulter und sagte, er sei stolz, dass er fast zwanzig Jahre Mitglied dieser Fraktion gewesen sei, auch wenn sich viel verändert habe. Die Kanzlerin ging an ihm vorbei, hielt kurz inne und sagte: „Heinz, schön Dich zu sehen!“. Das war im September 2019 im Rahmen der Feierlichkeiten des 70-jährigen Bestehens der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag.

 

Velberts Altbürgermeister hat Spuren hinterlassen. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit ihm. Es war in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, und ich war noch Schüler. Gemeinsam mit meiner Klasse besuchten wir die damalige Bundeshauptstadt Bonn. Heinz Schemken empfing uns im Bundestag und diskutierte mit uns die aktuelle Bundespolitik. Er war immer für alle da, und es ist schier unmöglich an dieser Stelle, all das aufzuzählen, wofür er sich über Jahrzehnte hinweg eingesetzt hat. Schemken brannte für seine Heimat. Stets mit großer Leidenschaft. Denn Leidenschaft und Politik, das gehörte für ihn zusammen. Die Nachricht über seinen Tod in der vergangenen Woche hat mich tief getroffen – und ich weiß, so ging es unzähligen Menschen. Wir verlieren einen wunderbaren Menschen und Freund, der für seine Heimat so unendlich viel bewegte, der auch die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland mit Herzblut und einem klaren christlichen Kompass geprägt hat. Der Mensch stand immer im Mittelpunkt seines Handelns. Er war als verlässlicher Ratgeber, Politiker und Gesprächspartner anerkannt und allseits geschätzt.

Auch wenn wir wissen, dass der Lebensfaden endlich ist, durch die Nachricht vom Tod eines Menschen, dem man sich verbunden fühlte, entsteht unweigerlich eine Zäsur. Man hält inne und reflektiert die gemeinsame Zeit. Die Zeiten mit Heinz, das waren sehr gute Zeiten.

„Gute Zeiten“ – danach sehnen wir uns alle: Zeit mit Freunden, Erlebnisse zu teilen. Derzeit steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Sars-Cov2-Virus wieder leicht an. Eine zusätzliche Belastung stellen die neuen Virusvarianten dar, die die Infektionen schneller ansteigen lassen. Die Erfahrung anderer Staaten zeigt deutlich, dass beim Hochfahren des öffentlichen Lebens große Vorsicht geboten ist. Diese Gefahr einer dritten Welle, gilt es unbedingt abzuwehren. Aus diesem Grund hat der Bundestag in der vergangenen Sitzungswoche die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“, die seit knapp einem Jahr gilt, um drei Monate bis zum 31. Juni 2021 verlängert.

Bisher waren die AHA+CL Regeln, die effektive Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter und die Beschränkung von Kontakten die wesentlichen Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Jetzt verändern zwei Faktoren das Pandemiegeschehen deutlich: Die zunehmende Menge an Impfstoff und die Verfügbarkeit von Schnell- und Selbsttests in großer Anzahl.

Wir alle wachen seit über einem Jahr mit Corona auf und schlafen damit abends wieder ein: Kaum eine Schlagzeile, ein Beitrag in Funk, Fernsehen oder dem Internet, ein Gespräch, das sich nicht um die Pandemie drehte. Es ist legitim und richtig, die verhängten Maßnahmen zu kritisieren. Es ist verständlich, dass wir das, was wir als „unser Leben“ bezeichnen, zurückhaben wollen. Wir sind alle mit unserer Geduld am Ende. Nicht verständlich und zutiefst unsozial ist aber, einen Impftermin zu vereinbaren und dann ohne Absage nicht zu erscheinen!

Jede Woche haben wir nun mehr Impfstoff zur Verfügung. Neben den Fachkräften im Impfzentrum in Erkrath sind bald auch Arztpraxen, Impfzentren und mobile Impfteams parallel im Einsatz. In den Arztpraxen erfolgt die Entscheidung der Priorisierung dabei nach ärztlicher Einschätzung vor Ort, um eine flexiblere Umsetzung der Impfungen zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Baustein sind die regelmäßigen Corona-Tests, um mehr Normalität zu ermöglichen. Bis Anfang April werden nun schrittweise Testkonzepte umgesetzt – im Bereich der Schulen, der Kinderbetreuung oder auch der Unternehmen mit den Betriebsärzten.

Die ersten Lockerungen werden am 8. März wirksam. Es ist gut, dass wir nun einen konkreten Stufenplan haben, der nach Anzahl der Neuinfektionen weitere Öffnungsschritte vorsieht und den betroffenen Branchen und uns allen eine Perspektive gibt. Der Stufenplan berücksichtigt neben den Öffnungen im Einzelhandel auch diejenigen von kulturellen Einrichtungen und im Sportbereich. Ich weiß, dass viele sich mehr erhofft hatten. Denn uns alle zermürben die Schließungen, vor allem jene, um deren wirtschaftliche Existenz es geht. Aber die Pandemie ist leider noch nicht unter Kontrolle. Insofern ist es gut, dass wir mit diesen ersten und wichtigen Öffnungen zumindest in die richtige Richtung gehen.

Haben Sie noch etwas Geduld und bleiben Sie gesund – Ihr Peter Beyer