Donnerstag der Demokratie

01.08.2019
#donnerstagderdemokratie
Angefangen habe alles mit einem Urlaub von Irmel und ihrem Mann Heiner in #Kenia im Jahr 1994, berichtet die engagierte Lintorferin. Damals fing Irmel an, sich für bedürftige Menschen in dem ostafrikanischen Land einzusetzen. Jahre später verbrachten sie wieder einen Urlaub in Kenia. Dieses Mal in Begleitung ihrer Freunde Doris und Dieter. Seit 2007 wurden durch ihr #Engagement mehrere soziale Projekte finanziert, die man zunächst als spontane #Nothilfe bezeichnen kann: Sechs Brunnen, sechs Schulklassen, sieben Kindergärten mit Spielplätzen, Moskitonetze für ein Dorf, 140 Paar Schuhe, ein Jahr Schulnahrung für 650 Kinder, Lebensmittel für arme Familien und erste Schulpatenschaften.

Seit 2011 wurde aus der Nothilfe, Hilfe zur #Selbsthilfe. Irmel und Doris war im Laufe der Jahre klargeworden, dass die Vermittlung von #Bildung echte nachhaltige Hilfe ist. So haben die beiden ihr soziales Engagement auf ein Projekt fokussiert: Die Ratinga Primary School in Ukunda.
Die Schule liegt auf einem 12.000 qm großen Grundstück und umfasst drei Kindergartenjahre und die Schuljahre 1 bis 8. Hinzu kommen Lehrerzimmer, Küche, Aula, Spiel- und Sportplatz und Toilettengebäude. Den beiden Gründerinnen liegt besonders am Herzen, dass auch Kindern aus armen Familien der Schulbesuch ermöglicht wird. Für im Vergleich zu anderen Privatschulen günstige 330 Euro pro Jahr können für ein Kind der Schulbesuch, täglich eine warme Mittagsmahlzeit und die medizinische Versorgung finanziert werden. Für Schüler, deren Eltern diesen Betrag nicht aufbringen können, werden ständig Paten gesucht.
Über 150 Kindern wird der Schulbesuch durch meist Ratinger Paten bezahlt. Da die Ratinga Primary School einen ausgezeichneten Ruf genießt, ist rund um die Schule ein kleines Dorf entstanden, so dass die Kinder die Schule leichter besuchen können. Die Schülerzahl ist mittlerweile auf 409 Kinder angestiegen. Ein- bis zweimal im Jahr reisen Irmel und Doris auf eigene Kosten nach Kenia. Die Ratinga Primary School ist eine Musterschule in Kenia und ein #Aushängeschild für die Stadt Ratingen geworden.
 
25.07.2019
#donnerstagderdemokratie

Bevor der Bürgerkrieg in Syrien ihn zur #Flucht zwang, war der 16-jährige Eyad ein ehrgeiziger Schüler. Er fuhr Rennrad im Verein und hatte viele Freunde. Der Krieg des syrischen Regimes gegen seine eigene Bevölkerung hat die weltweit größte Flüchtlingsbewegung seit den Massakern in Ruanda ausgelöst. Es gibt 21 Millionen Syrer. Neun Millionen sind auf der Flucht, die meisten von ihnen im Land oder den Nachbarländern. Eyad floh mit seiner Familie nach Ägypten. Ohne Arbeitserlaubnis haben sie dort am Rande der Gesellschaft gelebt, so der heute 24-Jährige Auszubildende.
Ich habe einen Onkel in Skandinavien, erzählt er. Er sei sein Ziel gewesen, denn Ägypten sei kein Ort für eine sichere #Zukunft, so die Bilanz nach sieben Monaten. Er gab sein ganzes Erspartes den Schmugglern, die ihn allein auf ein überfülltes Fischerboot zwängten. Er habe die Risiken gekannt, als er einstieg. Immer wieder sei der Motor des Boots ausgefallen. Zum Glück aller sei ein Kfz-Mechaniker an Bord gewesen, der es immer wieder schaffte, den Motor zu reparieren. Nach drei Tagen auf dem Mittelmeer glaubte er nicht mehr an eine sichere Ankunft. „Ohne Trinkwasser, ohne Rettungswesten und der Natur ausgesetzt, dachte ich, ich werde hier sterben“, berichtet er mit einem Zittern in der Stimme. Am vierten Tag kam die erhoffte Rettung. An viel erinnere sich ab da nicht mehr. Er sei so müde gewesen. Erst später erfuhr er, dass das Rettungsschiff erst in
Richtung Malta unterwegs war und dann doch nach Italien fuhr. Seine Flucht hatte viele Stationen, bevor er in #Ratingen ankam. Hier fand er bei der #Caritas, erst ehrenamtlich und später bezahlt, als Übersetzer und Flüchtlingshelfer eine Anstellung. Sein eigentlicher Wunsch war aber, seinen Schulabschluss zu machen.
„Ich habe viel Hilfe bekommen und immer versucht, etwas zu rückzugeben“, sagt er. 2016 hielt er seinen Realschulabschluss in den Händen. Neben seinem Job bei der Caritas ging er auf die Abendrealschule. Es folgte ein Praktikum in der Werkstatt von Euronics. Seit 2017 macht er bei dem Ratinger Unternehmen seine Ausbildung.

 
18.07.2019
#donnerstagderdemokratie

Die Hände in den Schoß zu legen, kam für Walburga nicht in Frage. Ihre Pensionierung, nach 44 Jahren als Lehrerin, nutzt sie für noch mehr #Engagement. Sie arbeitet unter anderem für das Frauennetzwerk der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt #Wülfrath. Diese überparteiliche Vereinigung wirbt bei Frauen, sich politisch zu engagieren. Auch ist sie Mitglied der ZWAR-Kulturgruppe, ein #Netzwerk für Menschen zwischen Arbeit und Ruhestand. Die Gruppe besucht gemeinsam Konzerte, Museen und Theater. Eine aktive Gemeinde zu bieten, neue Leute kennenzulernen und den Einstieg in den neuen Lebensabschnitt zu erleichtern, dafür steht ZWAR. Walburga ist es wichtig, dass Menschen einen Ort der Gemeinschaft finden, dass man nicht alleine ist. Weitere Themen ihres Engagements sind der Kampf gegen Kinderarmut, Walburga engagiert sich in der #Kommunalpolitik und sie ist Beisitzerin im Vorstand des Partnerschaftsvereins mit den Städten Ware in England und Bondues in Frankreich. Sie möchte, dass die Menschen Europa als Garant für #Frieden und #Freiheit verstehen. Dafür, da ist sich Walburga sicher, muss man vor Ort beginnen. Denn egal ob in Wülfrath, in Deutschland oder in #Europa, Walburga wünscht sich, dass Menschen zusammenkommen und ihre Freiheit genießen.
 
04.07.2019
#donnerstagderdemokratie

Wenn Menschen miteinander redeten, würden Vorurteile überwunden, ist sich Rrahman sicher. Nicht nur für sein zu Hause, die Stadt #Velbert, setzt sich Rrahman ehrenamtlich ein, sondern auch für seine Heimatstadt #Podujeva im #Kosovo.
1989/90 war er einer von 8000 Studenten, die im Sportzentrum von Priština gegen die Politik demonstrierte. Der junge Student ging damals für Recht und Freiheit auf die Straße und wurde festgenommen. Das sei die Initialzündung für seine Flucht nach Deutschland gewesen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis stellte er mit seiner jungen Familie einen Asylantrag in Deutschland. Der Weg führte die Familie nach Velbert.
Nach Ende des Krieges im Kosovo habe sein Engagement begonnen. „Alles war zerstört und lag in Trümmern, Freunde und Familie waren im Krieg ermordet oder gefallen – und die Gräben zwischen den Menschen waren sehr tief“, erinnert er sich. Er sammelte Hilfsgüter und sandte diese in die zerstörten Gebiete. Bei allem Engagement für die ehemalige Heimat, fand Rrahman seinen Platz in der Schlossstadt, auch hier engagierte er sich in Vereinen. „Ohne Unterstützung hätte ich es nicht geschafft – aber durch mein Engagement lernte ich viele Velberter kennen – sie standen an meiner Seite“, so Rrahman.
Es wuchsen über die Jahre zahlreiche freundschaftliche Kontakte zwischen Podujeva und Velbert, die sich heute in Besuchen vor allem in den Bereichen Sport und Kultur widerspiegeln. Rrahmans Velberter Freunde und er gründeten den Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Velbert-Podujeva. Im April 2019 sprach sich der Rat der Stadt Velbert für eine Städtepartnerschaft mit Podujeva aus – ein großartiger Erfolg.
Rrahman ist des Weiteren Moderator des Projekts „Elterntische in Velbert“ und zweiter stellvertretende Vorsitzender des Integrationsrates Velbert. Darüber hinaus vertritt er diesen im Landesintegrationsrat NRW.
 
27.06.2019
#donnerstagderdemokratie

„Mut zur Menschlichkeit“ – Was sich anhört wie ein Plädoyer für #Solidarität, #Courage und #Menschlichkeit ist die Geschichte von Wolfgang. Aus diesem Grund entschied er sich nach dem Abitur für ein Medizinstudium und ging vor 30 Jahren für die NGO „German Doctors“ nach Kolumbien, um denen zu helfen, die sich keine medizinische Versorgung leisten können. Heute lebt der inzwischen vierfache Vater mit seiner Familie in Velbert, das jüngste Kind ist ein Pflegekind marokkanischer Eltern. Heute wie damals, ist es sein Glaube, der ihn leitet und so verwundert es nicht, dass er sich seit nunmehr 16 Jahren in den Velberter Kindergärten der Kolpingsfamilie und im Vorstand des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SkFM) engagiert.

„Mit dem Begriff Zuhause verbinde ich: Sich geborgen fühlen, sich angenommen fühlen, mit Menschen sich auszutauschen und sich gegenseitig verstehen“, sagt der Mediziner, der seinen festen Platz in der #Kolpingsfamilie gefunden hat.

Und der Verein hat viel erreicht. So ist man stolz darauf, dass als erste integrative Kinderbetreuungseinrichtung in Velbert die Kindertagesstätte „Am Bartelskamp“ bereits im Jahre 2003 die Anerkennung als Bewegungskindergarten vom Landessportbund erhielt. In der Kindertagesstätte Lummerland wurde sehr frühzeitig nach der Eröffnung im Jahre 1998 eine weitere integrative Gruppe eingerichtet. Gemeinsam mit vielen engagierten Eltern gelang es im Jahre 2004, den Waldkindergarten Wurzelland zu gründen.
Mittlerweile wurden weitere Einrichtungen wiedereröffnet bzw. erweitert, um neue Kitaplätze in Velbert bereitstellen zu können.
 
27.06.2019
#donnerstagderdemokratie

„Mein Verbrechen war ein Ausreisegesuch“, sagt Regina. Sie wuchs in der ehemaligen DDR auf. 1984 wurde sie verhaftet. Zwei Jahre saß sie im Frauengefängnis #Hoheneck in Stollberg (Sachsen) in der ehemaligen DDR. Hoheneck sei ein dunkler Ort gewesen, erinnert sie sich. „Die Zellen glichen einer Gruft. Ob Sommer oder Winter - hier waren es immer nur acht Grad", so die Beschreibung Reginas. Es fällt ihr sichtbar schwer, über die Erlebnisse an diesem Ort zu sprechen. Diskriminierung und Gewalt seien hier normal gewesen - gerade gegenüber politischen Gefangenen, die in Hoheneck ihre willkürlichen Strafen gemeinsam mit Kinds-Mörderinnen, Gewalttäterinnen und anderen schwerstkriminellen Frauen verbüßen mussten, berichtet sie. Die Zusammenlegung habe System gehabt. „In Hoheneck warst du einfach ein Nichts“, erklärt sie. Heute lebt sie in Wülfrath. Von hier aus macht sie sich stark für die ehemaligen politischen Häftlinge des Frauen-Zuchthaues. Und sie erzählt ihre Geschichte und leistet damit einen unschätzbaren Beitrag zur politischen Bildung. Denn unter anderem durch ihre #Zeitzeugenarbeit erhält die Öffentlichkeit Kenntnis von und Verständnis für die Mechanismen und Folgen von Lüge, Desinformation, Gewalt, Einschüchterung, Erziehungsdiktatur und der Einschränkung von Freiheitsrechten.
 
27.06.2019
#donnerstagderdemokratie

„Auf deutscher wie auch alliierter Seite wurden im Zweiten Weltkrieg sogenannte Scheinanlagen errichtet", erklärt Jürgen als er den Leitbunker auf dem Velberter Rottberg, betritt. Eine Scheinanlage stellte einen stark vereinfachten Nachbau einer Industrieanlage, eines Bahnhofs oder Flugplatzes dar. In diesem Fall sollte die Attrappe ablenken bzw. täuschen und somit die zehn Kilometer entfernte Krupp'sche Gussstahlfabrik vor Bombenangriffen schützen. „Es war streng geheimes Sperrgebiet“, so Jürgen, der zusammen mit einem ehrenamtlichen Team das Relikt des Zweiten Weltkrieges über Jahre in mühsamer Arbeit professionell gesichert hat und es nun für die Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Orte wie die Scheinanlage sind wichtige Erinnerungs- und Lernorte, die uns mahnen. An Orten wie diesem kann man fragen: Wie hat dieses Regime funktioniert? Wie funktionieren auch heute noch totalitäre Regime? Der Leitbunker ist sowohl ein #Lernort für die Vergangenheit, aber auch und vor allem ein Lernort als #Präventionsmaßnahme gegen totalitäre Versuchungen.
 
27.06.2019
#donnerstagderdemokratie

Februar 1953: Die schwerste Nordsee-Sturmflut des 20. Jahrhunderts trifft die Niederlande. Januar 2019: Der Winter hat Teile von Oberbayern fest im Griff. Straßen sind unpassierbar, Ortschaften zugeschneit, Schneemassen bringen Gebäudedächer zum Einsturz. März 2019: Über 8.000 Kilometer von Deutschland entfernt, hinterlässt der Zyklon „Idai“ in Mosambik und seinen Nachbarstaaten eine Schneise der Verwüstung, verbunden mit Hochwasser. Bei all diesen Katastrophen waren die Helfer des #THW vor Ort. Helfer wie Gerhard. Er engagiert sich seit über 50 Jahren beim THW. 1998 übernahm Gerhard in Ratingen das Amt als stellvertretender Ortsbeauftragter und 2001 wurde er Ortsbeauftragter.
„Es gibt Einsätze, die bleiben einem im Gedächtnis“, sagt Gerhard. Er ist THW-Ortsbeauftragter. Er erinnere sich zum Beispiel an die Gasexplosion, bei der Menschen ums Leben kamen. Er sei einer der Ersten vor Ort gewesen. Gerhard startete seine THW-Karriere als Helfer im ABC-Zug. Der Spaß an der Technik und die Freude an der Gemeinschaft waren der Grund, warum er blieb. Einer der zehn Leitsätze des THW besagt: „Wir bekennen uns zur Demokratie und dulden keine Diskriminierung.“ Die Einbindung aller Menschen in ein ehrenamtliches System – unabhängig von Glauben, Aussehen, Behinderung – spielt für das THW eine essenzielle Rolle. Für Gerhard ist das eine Selbstverständlichkeit. Sein Ortsverband lebt Integration. Mit einem Projekt zur Integration spricht er konkret Flüchtlinge und Asylsuchende an, und das erfolgreich. Ein neuer Kamerad sei nicht nur beim THW im Einsatz, sondern engagiere sich auch bei der #Tafel